Anatomie der menschlichen Destruktivität by Erich Fromm

By Erich Fromm

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Mit Hilfe komplizierter und oft fragwürdiger Konstruktionen soll die Annahme gestützt werden, daß sich die defensive Aggression beim Menschen in einen ständig strömenden und sich selbst verstärkenden Trieb umwandelt, der Umstände herbeizuführen sucht, welche die Entladung der Aggression erleichtern, oder daß es sogar zu einer Explosion kommt, wenn keine Reize gefunden oder geschaffen werden können. Hieraus folgt, daß selbst in einer Gesellschaft, die vom sozioökonomischen Standpunkt aus so organisiert wäre, daß keine geeigneten Reize für eine heftigere Aggression vorkämen, der Druck des Instinkts selbst so stark würde, daß die Mitglieder dieser Gesellschaft gezwungen wären, diese zu verändern, oder daß es - wenn sie sich hierzu nicht bereit fänden auch ohne jeden Anreiz zu einer Aggressionsexplosionkommen würde.

Freud macht seine Vorschläge mit Skepsis und Bescheidenheit, während Lorenz erklärt: «Im Gegensatz zu Faust bilde ich mir ein, ich könnte was lehren, die Menschen zu bessern und zu bekehren. Mir scheint diese Meinung nicht überheblich ... » (K. Lorenz, 1963) Es wäre in der Tat nicht überheblich, wenn Lorenz wirklich etwas Wichtiges zu lehren hätte. » I. «Die erste und selbstverständliche Vorschrift ist ... , worunter er «die Forderung nach Vertiefung unserer Einsicht in die Ursachenketten unseres eigenen Verhaltens» - das heißt in die Gesetze der Evolution - versteht (K.

Seine «kämpferische Begeisterung» ist nichts anderes als eine nationalistische und emotional etwas primitive Reaktion. Zu behaupten, die Bereitschaft, Greueltaten zu begehen, sobald die Fahne weht, sei ein instinktiv bedingter Teil der menschlichen Natur, wäre die klassische Verteidigung gegen die Beschuldigung, die Prinzipien der Genfer Konvention verletzt zu haben. Wenn ich auch sicher bin, daß Lorenz nicht die Absicht hat, Greueltaten zu verteidigen, so läuft sein Argument doch praktisch auf eine solche Verteidigung hinaus.

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